21.11.2017

Landeszeitung: Wir am Kanal

Binken nur bei Bedarf

Landeszeitung | Horst Becker | 10. November 2017

Weithin sichtbar leuchtet nachts die Sicherheitsbefeuerung von Windkraftanlagen.
Viele Bürger empfinden das als störend. Umso mehr werden sie sich über eine
Innovation freuen, die die Firma Denker & Wulf landesweit installieren will. Die
Idee: Die Leuchten blinken nur noch, wenn sich ein Flugzeug nähert.

SEHESTEDT Der Name klingt etwas sperrig: „Bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung“ (BNK) nennen die Behörden das Technik, die die Firma Denker & Wulf aus Sehestedt innerhalb der kommenden drei Jahre  flächendeckend in die Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein einbauen will. Dazu hat Vorstandsvorsitzender Torsten Levsen mit der Quantec Sensors
GmbH die gemeinsame Firma Quantec DWAG Operations GmbH gegründet. Durch die Kooperation mit Quantec hat das Sehestedter Unternehmen
den Zugriff auf das erste anerkannte System, das mehr als 1000 Quadratkilometer mit einem Sensor abdecken kann. Levsen verspricht sich von der bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung eine größere Akzeptanz der Rotoren, „eine bessere Verzahnung von Menschen und Windkraftanlagen.“ Die nächtliche Kulisse werde sich verändern. Durch die nicht mehr ständig blinkende Sicherheitsbefeuerung entfalle ein großer Kritikpunkt an der Windenergie-
Erzeugung.

Matthias Vogel ist als Projektleiter für die Umsetzung zuständig.
„Zum Einsatz kommt ein 360-Grad-Bodenradar, wie es auch auf Flugplätzen oder im Hamburger Hafen genutzt wird“, erklärte der Ingenieur. Die Radaranlage werde in einer Höhe von 25 bis 35 Metern installiert und könne dann den Luftraum überwachen und bei Annäherung eines Flugzeugs in
einem Radius von 16 bis 18 Kilometern die Sicherheitsbefeuerung einschalten. Mit einer zentralen Radaranlage sei es möglich, die Befeuerung von 50 bis
200 Windrädern zu steuern. Die Kosten pro Sensorsystem liegen bei 800 000 Euro. Bei Denker & Wulf ist man davon überzeugt, dass die Betreiber den Mehrwert für die Akzeptanz sehen und deshalb auch entsprechend bereit sind, die notwendigen Kosten zu tragen. Die BNK werden auch vom Land Schleswig-Holstein positiv gesehen, betonte Levsen. Das Land reduziert die Abgabe, die
für die Veränderung des Landschaftsbildes durch Windkraftanlagen fällig werde. Als Ziel für die kommenden zwei Jahre nannte er den Aufbau von sechs
Sensorsystemem, die zusammen mehr als 500 Windkraftanlagen versorgen können.

Der erste Sensor soll bereits im kommenden Jahr installiert werden. Die Quantec DWAG Operations GmbH wird das Sensorsignal an die  Anlagenbetreiber vermieten. Das Unternehmen bietet über die Bereitstellung
der Erfassungssignale hinaus auch die Installation und Betreuung der in den Windparks installierten Empfangskomponenten sowie die Begleitung des Genehmigungsverfahrens an. Jeder Windpark könne seinen Beitrag dazu  leisten, die Akzeptanz von Windenergie zu stärken. „Bedarfsgesteuerte
Nachtkennzeichnung signalisiert gute Nachbarschaft mit der Bevölkerung im visuellen Einwirkungsbereich der jeweiligen Anlagen.